Jodokus Donatus Hubertus Temme

* 22. Oktober 1798 Lette bei Oelde

+ 14. November 1881 Zürich
 

 

Der wohl wichtigste Vertreter der deutschen Kriminalprosa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zunächst sieht alles nach einer glanzvollen juristischen Karriere aus. 1839 übernimmt er eine Direktorenstelle am Berliner Kriminalgericht, wird jedoch 1845 wegen zu "liberaler" Äußerungen nach Tilsit strafversetzt. 1848 kehrt er als Staatsanwalt nach Berlin zurück, fungiert gleichzeitig als Vizepräsident beim Oberlandesgericht Münster und wird Mitglied der Berliner Nationalversammlung. Die wieder erstarkende Reaktion beendet indes diese Laufbahn. Ein wenn auch gewonnener Prozess besiegelt seine Entlassung aus dem Staatsdienst, Temme wird kurzfristig Redakteur bei der Neuen Oderzeitung, muss jedoch, nach neuerlichen politischen Attacken, in die Schweiz emigrieren, wo er mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinem Tod 1881 bleibt. Eine Professur an der dortigen Universität bringt keine Einnahmen. Um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu verdienen, beginnt Temme, der bereits früher unter dem Pseudonym "Heinrich Stahl" schriftstellerisch tätig gewesen war, mit dem Schreiben von (bevorzugt) Kriminalerzählungen und Fortsetzungsromanen für die in Deutschland aufkommenden Familienzeitschriften, vor allem für die berühmteste von allen, Die Gartenlaube.

Vier Erzählungen aus der "Gartenlaube", Jg. 1859

Berliner Polizei - Das Testament des Verrückten - Der Unheimliche - Volkesstimme

Der tolle Graf (1862) --- Teil 1 - Teil 2 - Teil 3

Ein Kirchhofsgeheimniß ("Gartenlaube" 1858) - Der Richter ("Gartenlaube" 1865) - Der Teufel ("Gartenlaube" 1868)

Das Recht auf Erden (1871)

Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Teil 4 - Teil 5 - Teil 6 - Teil 7

Vier Erzählungen aus der "Gartenlaube", Jg. 1860

Der Letzte seines Stammes --- Eine Brautfahrt --- Die Geschwister --- Die schwerste Schuld

 

In einer Brautnacht. Der vielleicht erste "Noir" der Kriminalliteratur. Neusatz der Bucherstausgabe von 1873

Meine Laufbahn als belletristischer Schriftsteller. Ein Kapitel aus Stephan Born (Hg.): Erinnerungen von J.D.H. Temme. Leipzig (Keil) 1883 (Faksimile, Fraktur) - Dank an Jürgen Lull -

Ein Kommentar zu "In einer Brautnacht" ist in Arbeit. Ich verweise gerne auf meinen Aufsatz "Mord im Waisenhaus. Ein wilder Ritt durch die Nichttradition des deutschen Krimis" im "Krimijahrbuch 2006", wo sich ein "Appendix: Temme oder Die Erfindung des Noir" mit der Erzählung befasst. Näheres zu diesem Jahrbuch finden Sie hier.

Näheres zu Temmes Leben sowie ein "Lesebuch" mit Auszügen aus seinen Veröffentlichungen gibt es hier ("Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 8").